Zum DFB Adidas vs. Nike Ausrüsterstreit

von: Frank

Der Adidas vs. Nike Ausrüsterstreit scheint sich immer mehr zu einer Grundsatzentscheidung und einem Machtbeweis der beteiligten Personen zu entwickeln.

Fangen wir erst mal mit den Fakten an, bevor es zu den Meinungen, Vermutungen und Behauptungen einzelner geht.
Seit 1954 ist Adidas Ausrüster der deutschen Nationalmannschaft und hat aktuell einen bestehenden Ausrüstervertrag mit dem DFB, der bis 2011 datiert ist oder besser gesagt war, denn aufgrund des Schuhstritts im vergangenen Sommer wurde zwischen DFB und Adidas eine mündliche Vereinbarung getroffen, dass bei Verzicht von Adidas auf das alleinige Schuhrecht, der DFB den aktuell laufenden Vertrag zu unveränderten Konditionen bis 2014 verlängert. Bis dahin war alles kein Problem, der DFB hatte sein Schuhproblem gelöst, die Spieler konnten lukrativere private Ausrüsterverträge abschließen und Adidas hatte seinen Ausrüstervertrag verlängert.

Doch dann überraschte Nike die Herren beim DFB mit einem fast unglaublichen Angebot. Nike bot dem DFB an, ab 2011 für acht Jahre Ausrüster der deutschen Nationalmannschaft zu werden und dafür jährlich rund 60 Millionen Euro + Sportkleidung, Schuhe usw. + weitere Lizenzrechte bereitzustellen. Ich gehe mal davon aus, dass Nike darüber informiert ist, welche Summe ungefähr von Adidas an den DFB gezahlt wird und Ihnen war sicherlich auch klar, dass sie Adidas als Ausrüster der Nationalmannschaft nicht mit einem um eine Millionen höheren Angebot verdrängen können, also wurde die Keule in Form eines Mega-Angebotes rausgeholt und davon kann man in diesem Fall wohl sprechen, denn Adidas soll derzeit jährlich “nur” 11 Millionen an den DFB zahlen.

Es ist mehr als verständlich, dass der DFB das von Nike gemachte Angebot nicht einfach ablehnt und eine Diskussion über den zukünftigen Ausrüster der deutschen Nationalmannschaft aufgekommen ist und damit fangen dann auch schon die Probleme aufgrund unterschiedlicher Meinungen und Positionen an.

Da wären der Verantwortlichen des DFB’s, die Verantwortlichen der Bundesligavereine, die mit 18% an den Einnahmen beteiligt werden, die Spieler und deren Berater, die Ausrüster Adidas und Nike und die Tradition.

Was geschieht wenn es so viele unterschiedliche Positionen gibt, konnte jeder den Medienberichten der letzten Tage entnehmen.

DFB Präsident Theo Zwanziger:

“Manchmal ist es auch ganz gut, wenn von draußen ein frischer Geist reinkommt.” (siehe FAZ)

“Dieses Angebot hat uns geehrt. Wir spüren, dass das Interesse am deutschen Fußball weiter gestiegen ist. Auf der anderen Seite beschert es uns einen klaren Konflikt mit einem langjährigen Partner”

“Zuerst verhandeln wir mit adidas, ob wir Leistung und Gegenleistung in ein richtiges Verhältnis bringen können. Es geht hier um eine wirtschaftliche Zusammenarbeit und weniger um Tradition. Ob mit adidas oder Nike -wenn es zu einem Mehrerlös kommt, werden wir ganz klar offen legen, wie das Geld verwendet wird”

“Vielleicht gelingt es Rummenigge durch seine glänzenden Beziehungen nach Herzogenaurach, dass wir von dort auch eine gute Offerte erhalten, damit sich das Problem nicht stellt” (siehe N-TV)

Vize-Päsident Franz Beckenbauer:

“Wenn ein Verband so ein Angebot ignoriert, macht er sich strafbar.” (siehe Focus)

Karl Heinz Rummenigge:

“Wenn der Nike-Deal kommt, werden wir unsere Spieler selbstverständlich für die Nationalelf abstellen. Aber sie werden im Nike-Trikot an keinem einzigen Werbetermin des DFB mehr teilnehmen. Herr Bierhoff soll ruhig kommen, wir sind juristisch gerüstet.”

“Der DFB sollte aufpassen, dass die Ich-AG vom Starnberger See nicht außer Kontrolle gerät” (siehe Spiegel)

Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff:

“Ich wundere mich über den Ton und die Unsachlichkeit von Rummenigge, das kann ich mir so nicht gefallen lassen. Die Vorwürfe sind absolut unhaltbar”

“Es ist erstaunlich, dass ein Vertreter der freien Marktwirtschaft, der selbst für seinen Verein immer das Beste herausholen will und immer mehr Geld will, den Verband und mich persönlich so kritisiert, obwohl wir nur ein seriöses Angebot prüfen.”

“Das ist eine Frechheit. Weder ich persönlich, noch meine Agentur haben etwas mit dem Angebot an den DFB zu tun. Wer mir das unterstellt, sagt die Unwahrheit” (siehe Spiegel)

Das Bierhoff jahrelang mit Nike zusammengearbeitet hat und wahrscheinlich auch noch gute Kontakte zu den Verantwortlichen bei Nike haben wird ist klar. Weshalb der Manager der deutschen Nationalmannschaft eine Agentur namens “Projekt b” gründen muss, derer Hauptaufgabe in der Vermarktung von Oliver Bierhoff liegt, ist mir persönlich nicht ganz klar, aber das alles ist sicher nicht als unseriös einzustufen. Den Vorwurf von Karl Heinz Rummenigge kann ich aufgrund der Höhe des Angebots von Nike nicht nachvollziehen, hätte es sich bei dem Angebot von Nike nur um eine geringfügige Erhöhung gehandelt und dieses Angebot wäre dann auch so diskutiert worden, wäre ich auf Rummenigges Seite gewesen, aber in diesem Fall nicht.

Fazit:
- Die öffentlichen und internen Auseinandersetzungen werden in den nächsten Tagen wahrscheinlich weitergehen und sollten es auch.
- Aus ökonomischer Sicht ist der DFB in einer Supersituation, er hat mit der Nike Offerte ein starkes Argument bei zukünftigen Verhandlungen mit Adidas und kann dann wahrscheinlich zwischen zwei Top-Angeboten wählen.
- Anderseits arbeitet der DFB schon seit über 50 Jahren mit Adidas zusammen und hat bei der Schuhstreit-Vereinbarung eine mündliche Zusage zur Vertragsverlängerung gegenüber Adidas gegeben und an solche Vereinbarungen sollte man sich auch halten.
- Die Mehreinnahmen kämen den Spieler in Form höherer Prämien, den Bundesligavereinen aufgrund der 18% Beteiligung und wahrscheinlich auch der Nachwuchsförderung des DFB’s zugute.
- Also schau mer mal, was die nächsten Wochen so bringen…

9 Kommentare bisher

  1. lachs am 30.01.2007

    Natuerlich muss ein solches Angebot, wie es von Nike vorliegt, geprueft werden. Natuerlich kann der DFB es auch sehr gut zum wieder aufrollen von Vertragsverhandlungen mit Adidas nutzen.

    Aber falls der DFB wirklich wechseln sollte , kaeme dies einer Katastrophe gleich. 50 Jahre ehe mit Adidas, 3 Weltemeister Titel und eine davon war nur mit Hilfe von Adi Dassler himself moeglich. Soll man das alles so einfach vergessen?

    Was waere wenn Angela Merkel ab morgen mit einem Lexus durch die Gegend chauffiert werden wuerde?
    Die Bild Zeitung haette eine 3 Meter breite Schlagzeile auf der Titelseite, die deutschen Stammtische reihenweise Herzinfakte und keiner wuerde ihr mehr am Strassenrand zuwinken.

    Mann kann den Bayern einiges vorwerfen, aber einem langjaehrigen Partner treue zu schwoeren, geht nun wirklich in Ordnung.

    Meine Hoffung ist, dass der DFB klever genug ist einfach nur ein bisschen mehr Geld aus Herzogenaurach zu ziehen.

    Mann kann den Bayern einiges vorwerfen, aber einem langjaehrigen Partner treue zu schwoeren, geht nun wirklich in Ordnung.

    der lachs

  2. F am 30.01.2007

    Also die Schlagzeile würde ich gerne in der Bild sehen :-)
    Skandal! Bundeskanzlerin fährt Lexus!

    Ich denke der DFB ist auf einem guten Weg einen verbesserten Deal mit Adidas auszuhandeln siehe hier

  3. [...] BallBlog: Zum DFB Adidas vs Nike Ausrüsterstreit Über Fakten, Meinungen, Vermutungen und Behauptungen über den Ausrüsterwechsel beim DFB [...]

  4. [...] Aber zur Sache, es geht natürlich um den DFB adidas vs. Nike Ausrüsterstreit und diese ganze Geschichte scheint sich so langsam zuzuspitzen. Der DFB hat diese Woche ein Rechtsgutachten vom Professor aus Heidelberg Mainz erhalten und demnach soll der DFB nicht an adidas als Ausrüster bis 2014 gebunden sein. Da sind die Verantwortlichen bei adidas etwas anderer Meinung: “Wir gehen auch nach dem Gutachten des DFB davon aus, dass der Vertrag bereits verlängert wurde” (Fussball24) [...]

  5. acdc am 18.02.2007

    Ich jedenfalls werde niemals ein DFB-Trikot von nike kaufen, da adidas 50 Jahre schon der Parner des DFB ist.
    Man sollte vielleicht mehr Geld von adidas bekommen, auch wenn es nicht so viel ist wie von nike. Sollte der DFB sich für nike entscheiden sieht man daran einmal wieder, dass sich der heutige Fußball nur noch an Geld orientiert. Die Verdienste von adidas, insbesondere von Adi Dassler scheinen nichts zu zählen.
    Vielleicht sollte man auch einmal die Kontobewegungen von Herrn Zwanziger usw. untersuchen, da man weiß dass bei dem Ausrüstervertrag von nike mit brasilien nicht wenige millionen auf dem konto des verbandspräsidenten gelandet sind.

  6. [...] URL Tags: Ausruesterstreit, DFB, Theo Zwanziger be social: Mister Wong  |  del.icio.us |  GoogleBookmarks [...]

  7. Henryk Zörner am 16.03.2007

    ich bin voll dafür dass nike der ausstater für deutschland wird!!!!!

  8. [...] Können wir uns jetzt nach dem Ausrüsterstreit auf einen Verbandsstreit zwischen DFB und DFL freuen? Nach lesen dieses FTD Artikel könnte der Eindruck entstehen. [...]

  9. Nina am 27.04.2009

    Ich kann mir irgendwie beim besten Willen nicht vorstellen, dass adidas irgendwann nicht mehr Ausrüster des DFB sein sollte. Irgendwie gehören die drei Streifen doch auch zum Kulturgut deutscher Fußball. Ich glaube da wird adidas doch immer wieder noch Argumente für sich nachlegen, sollte deren Position angegriffen werden. Im Zweifelsfall eben auch noch Geld, aber das Geschäft ist sicherlich auch für adidas so lukrativ, dass sie kaum darauf verzichten wollen würden.

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