Verletzungsrisiko auf Kunstrasen vs. Naturrasen
von: Frank
Gastbeitrag von Sportplatz Architekt Lüder Hoppe
Eine ausführlichere Auswertung verschiedener Studien zu diesem Thema findet ihr auf seiner Website.
Fast alle Bundesligamannschaften trainieren inzwischen auf Kunstrasen. Das hält Uli Hoeneß zwar nicht davon ab über dieses Material herzuziehen, ändert aber nichts an der Tatsache, dass sich Kunstrasen langsam aber sicher durchsetzt. In vielen Fußball-Foren werden gegenwärtig heiße Debatten geführt, ob Kunstrasen den Sport zerstört, und viele Argumente halten der sachlichen Prüfung nicht stand.
Es wurden mehr als 2000 Spiele sowie Trainingseinheiten ausgewertet mit insgesamt 90.191 Spielerstunden auf Kunstrasen und 66.077 Spielerstunden auf Naturrasen. Zusätzlich wurde eine Kontrollgruppe protokolliert und ausgewertet, die allein auf Naturrasen 82.940 Spielerstunden erfasst hat. Es kam zu 483 Verletzungen, 301 im Training und weitere 182 im Punktspielbetrieb.
Bezogen auf die Verletzungshäufigkeit je 1000 Spielerstunden ergibt sich bei der schwedischen Studie für Kunstrasen eine Häufigkeit von 19,6 im Spielbetrieb und 2,42 im Training. Naturrasen liegt mit einer Verletzungsrate von 21,48 für Punktspiele und 2,94 für den Trainingsbetrieb sogar geringfügig höher.
Bei der FIFA U-17 WM geht es deutlich härter zur Sache als im schwedischen Ligabetrieb. Die Youngstars brachten es bei diesen Spielen auf Verletzungsraten von 26 (je 1000 Spielerstunden) auf Kunstrasen und 28 auf Naturrasen. Während die Differenz zwischen den Spielbelägen ähnlich ausfällt wie im Ligabetrieb, kann die höhere Verletzungsrate sicherlich mit der besonders hohen Motivation der jungen Spieler erklärt werden, die hier die Chance haben, sich für den hoch dotierten Profifußball zu empfehlen.
Eine geringere Sicherheit von modernen Kunstrasenplätzen ist nach derzeitigem Wissensstand nicht zu belegen. Aus Sicht des Autors ist es unwahrscheinlich, dass sich zukünftig herausstellen wird, dass das Fußballspiel auf Kunstrasen ein signifikant höheres Verletzungsrisiko birgt als jenes auf Naturrasen. Weitere Risiken durch Ausdünstungen von Schadstoffen oder Feinstäube sind nach derzeitigem Stand des Wissens auszuschließen.
Bleibt natürlich noch das echte Fußballfeeling, wenn sich die Stollen in die Grasnarbe krallen und das Trikot nach 96 Minuten reif ist für den nächsten Waschmittel-Werbesport. Gerüchte besagen, dass die Kunstrasenhersteller schon am Rasenduft arbeiten. Ob auch künstlicher Dreck aufgetragen wird, ist derzeit ungewiss.
