Moral im Fußballtagesgeschäft – oder: der Fall Albert Streit

von: Christian

Am 22.12.2011 unterschrieb Albert Streit einen Vertrag bei Alemannia Aachen. Dieser Fall löste große Diskussionen um die Werte im Fußball aus und wird hier deswegen näher beleuchtet.

Die Chronologie:
Nachdem Albert Streit bei Frankfurt zum Leistungsträger wird und an das Tor der Nationalelf klopft, ist er 2006 erstmals unzufrieden, weil er sich unterbezahlt fühlt. Dies ändert sich mit seinem Wechsel zu Schalke 04 im Jahre 2007, wo er jährlich rund 2 Millionen Euro verdient. Nur ein Jahr später landet er bei Schalke auf der Tribüne. Bevor er zum HSV ausgeliehen wird, gibt er Hannover bereits eine Zusage zur Ausleihe. Diese findet jedoch nicht statt: Begründung: „Der HSV bietet mehr“. Im Jahre 2009 kehrt Streit zu Schalke zurück. Dort fällt er jedoch nicht durch sportliche Leistungen sondern durch mediale Aussagen auf. Mit den Worten „Ich habe hier den besten Vertrag meines Lebens unterschrieben und bekomme noch drei Jahre gutes Geld“ begründet er das Aussitzen seines Vertrags. Im Ruhrgebiet, das von der Arbeitermentalität geprägt ist, schier unvorstellbar. Außerdem kritisiert er das ihm zur Verfügung gestellte Auto sowie die Anzahl der Eintrittskarten, die er pro Heimspiel erhält.

Im Dezember vergangenen Jahres kommt es zur Vertragsunterschrift bei Aachen. Die Aussage von Friedhelm Funkel „Wir bekommen einen tollen Fußballer dazu, das ist das Wichtigste. Ich arbeite gerne mit echten Typen“ führt zu einer generellen Diskussion über die Einstellung im Profifußball.

So stellt sich die Frage, ob Moral bei Spielern/ Verantwortlichen überhaupt noch eine tragende Rolle spielt oder sie sich dem kommerziellen Druck im Profigeschäft beugen müssen (wollen).

Ist die Haltung von Albert Streit charakterlos oder spiegelt sie die allgemeine Haltung im Profisport wider? Wie ist die Aussage von Friedhelm Funkel zu interpretieren? – Nehmen Vereine für Erfolg heute alles in Kauf? – Eure Meinung interessiert mich!

4 Kommentare bisher

  1. Jonas am 07.01.2012

    Ich denke dass man ihm es nicht übel nehmen kann. Es öffentlich auszudrücken ist mit Sicherheit unglücklich, trotzdem würde wahrscheinlich jeder an seiner Stelle das Geld stillschweigend annehmen !
    Viele Grüße !

  2. User1 am 07.01.2012

    Streit ist sicherlich nicht der einzige Profi, der seinen Vertrag aussitzt. Allerdings sollte man schalu genung sein dies für sich zu behalten.
    Die Aussage von Funkel kann ich auch überhaupt nicht nachvollziehen. Echten “Typen” sind Spieler wie Effenberg oder Basler, die zwar oft negativ auffallen- aber trotzdem immer im Sinne des Vereins.Desweiteren ist es Fragwürdig, ob Streit tatsächlich weiterhelfen kann. Man muss bedenken, dass er eine gefühlte Ewigkeit im Profifussball nicht tätig war. Er musste zeitweise sogar mit den Amateuren von S04 trainieren.

    Es ist gut wenn solche Themen mal angesprochen werden !

  3. Winni am 07.01.2012

    Für die Vereine, Trainer und Manager zählt nur der sportliche Erfolg. Wenn dieser ausbleibt kritisieren die Fans den Verein, der Aufsichtsrat den Manager und der Manager den Trainer. Damit dies nicht eine Kettenreaktion mit Entlassungen ergibt, versucht man die Situation mit Erfolgserlebnissen zu überdecken. Dafür ist jedes Mittel recht.

  4. [...] der Grundlage des Kommentars von einem User unter dem letzten Blogbeitrag beleuchtet der heutige Beitrag die Frage, was “echte Typen” im Fußball ausmacht [...]

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