Europäische Superliga
von: Frank
Die gestrige Meldung im Spiegel, dass die EU, die anscheinend ein großer Bedürfnis verspürt einfach alles regeln zu müssen, sich jetzt auch in den Fussball einmischen will, hatte ich eigentlich für einen Aprilscherz gehalten, aber der Guardian schreibt heute auch über dieses Thema und deshalb scheint es doch der Realität zu entsprechen.
Die EU möchte eine zentrale Fernsehvermarktung und eine Gehaltsobergrenze für die europäischen Fussballvereine einführen. Das hört sich aus deutscher Sich ja erst mal ganz gut an, denn dann könnten auch die deutschen Vereine zumindest finanziell wieder mit den anderen europäischen Clubs auf einer Augenhöhe agieren, trotzdem halte ich die Idee für Sinnlos.
Viel interessanter finde ich, dass der Guardian in seinem Bericht wieder mal ein schon öfters diskutiertes Thema aus der Versenkung holt, die “Europäische Superliga”. Laut Guardian soll es schon länger den Plan der G14 geben eine solche Liga zu gründen, was zur Folge hätte, dass die in dieser Liga spielenden Vereine nicht mehr an den nationalen Meisterschaften teilnehmen, sondern den (naja nennen wir ihn mal) Europäischen Supermeister unter sich ermitteln. Wie das ganze dann letztendlich von statten gehen soll, kann ich mir zwar noch nicht wirklich vorstellen… wer steigt ab… wer darf mitspielen… welche internationalen Wettbewerbe wird es dann noch geben… usw…, aber grundsätzlich bin ich der Überzeugung, dass die Begeisterung für den Fussball nicht durch die internationalen Wettbewerbe zustande kommt, sondern durch die nationalen Meisterschaften und Rivalitäten. Wie seht ihr das?

Sich die Regelungen vorzustellen ist doch recht simpel: Die nun höchsten Spielklassen der Länder sind dann sowas wie Regionalligen, aus denen dann die besten 2 oder 3 die Aufsteiger in die Euro-Liga ausspielen würden.
Aber ich kann mir nicht vorstellen, das die großen Clubs das ernsthaft in Erwägung ziehen. So blöd werden sie nicht sein. Ich denke das ist eher ein als Druckmittel gegenüber der UEFA gedachtes Schreckgespenst.
Druckmittel gegenüber der UEFA könnte wirklich der wahre Grund für diese Ideen sein.
Aber die Regelungen halte ich nicht für so einfach, es müsste ja immer gewährleistet sein, dass aus jedem Land eine gewisse Anzahl an Vereinen in der Liga vertreten sind, wenn aber z.B. 3 spanische Vereine in einer Saison die letzten drei Plätze in der Euroliga belegen, wird es schwierig.
Ich seh das so, dass der Guardian schlecht recherchiert hat bzw. altbekannte Tatsachen aufwärmt.
Die G14 wollten eine europäische Liga und haben so lange rumgenörgelt, bis die Champions League gegründet wurde. Damit ist das Thema wieder vom Tisch, denn die CL ist ein Kompromiss zwischen G14 und UEFA. (Übrigens, in der 11Freunde #58 gibt es eine wunderbare ausführliche Reportage zur G14)
Ich denke aber nicht – um wieder auf die eigentliche Frage zurückzukommen -, dass es in einer “Europaliga” keine Rivalitäten zwischen den einzelnen Klubs geben würde, dass alle sich gegenseitig lieb haben. Wenn Bayern München in der Champions League auf Real Madrid trifft, wird das ja schon Wochen vorher medial hochgekocht, beide Seiten sticheln usw. Und ich denke, dass das auch der Fall sein wird, wenn die Vereine anstatt in einem Pokalwettbewerb in einer Liga aufeinandertreffen.
Also die Gefahr der mangelnden Leidenschaft sehe ich nicht. Viel mehr denke ich aber, dass die Zahl der Fans, die Auswärtsspiele ansehen, rapide abnehmen wird. Kann man sich ja schlicht nicht leisten, alle 14 Tage quer durch Europa zu fliegen und dann noch richtig viel Geld für ein Ticket zu berappen (man denke vor allem an die englischen Kartenpreise…).