Der Bundesligarechte-Deal
von: Frank
Leo is back! Was sollen wir davon halten? Ist der Deal nun gut oder nicht für die Bundesliga. Ohne wirklich alle Hintergründe zu kennen, kann man diese Frage wohl nicht beantworten, aber ich kann noch ein paar weitere Fragen stellen und ein paar bekannte Zahlen nennen.
Was die Kirch-Pleite für die Bundesliga bedeutet hat, ist wohl jedem bekannt und soll hier nicht zur Debatte stehen, weil ich davon ausgehe, dass die Liga nach dem damaligen Reinfall, diesmal genau geprüft hat, ob Ihnen das nicht wieder bevor stehen könnte. Und wenn doch? Dann hätten wir wenigstens einen guten Grund richtig zu schimpfen
Zu den Zahlen, wie sieht der neue Deal, der diese Woche beschlossen wurde, aus:
Aktuell verkauft die DFL die Bundesligarechte direkt an die Sender, welche nachher auch die entsprechenden Sendungen ausstrahlen, z.B. ARD.

Bei dem neuen Modell tritt Sirius als Händler zwischen die Sender und die DFL.

Damit Sirus dort stehen darf, haben sie der DFL 500 Millionen Euro pro Saison für die nächsten sechs Jahre garantiert. Selbstverständlich hat Sirius ein großes Interesse daran mehr als die gezahlten 500 Millionen wieder einzunehmen und dann soll die Verteilung laut Bild-Zeitung, wie folgt aussehen:
Alle Einnahmen bis 500 Millionen bleiben bei Sirius, bei 600 Millionen gehen 90 Mio. an Sirius und 10 Mio an die DFL. Bei allen Beträgen über 600 Mio. gehen 51% an Sirius und 49% an die DFL.
Außerdem gründet die DFL und Sirius eine Produktionsfirma, an der die DFL 49% und Sirius 51% der Anteile hält. Die Produktionsfirma wird die gesamte Berichterstattung über die Spiele liefern, die dann wiederum von den Sendern, die die Rechte gekauft haben, verwertet werden. Die jährlich anfallenden Produktionskosten in Höhe von geschätzten 80 Mio. werden von Sirius übernommen. (siehe Stern)
Hier noch ein paar Zahlen zu den bisherigen Einnahmen für die Bundesligarechte:
1965-1969 | ARD/ZDF | 0,33 Mio.€ | ARD + ZDF
1969-1974 | ARD/ZDF | 1,33 Mio.€ | ARD + ZDF
1974-1978 | ARD/ZDF | 2,25 Mio.€ | ARD + ZDF
1978-1983 | ARD/ZDF | 3,44 Mio.€ | ARD + ZDF
1983-1988 | ARD/ZDF | 4,09 Mio.€ | ARD + ZDF
1988-1991 | Ufa | 20,25 Mio.€ | RTL
1991-1994 | Ufa | 40,90 Mio.€ | RTL + Premiere
1994-1999 | ISPR | 112,48 Mio.€ | Sat.1 + Premiere
1999-2000 | ISPR+Ufa | 168,73 Mio.€ | Sat.1 + Premiere
2000-2001 | KirchGruppe | 355,00 | Mio.€ | Sat.1 + Premiere
2001-2002 | KirchGruppe | 328,00 Mio.€ | Sat.1 + Premiere
2002-2003 | KirchSport | 290,00 Mio.€ | Sat.1 + Premiere
2003-2004 | Infront | 290,99 Mio. € | ARD + DSF + Premiere
Quelle: Medienmärkte
Aktuell liegen die jährlichen Einnahmen je nach Zeitung, zwischen 420 und 440 Mio. Euro.
Die Zahlen zeigen ganz deutlich, dass Kirch 2000 schon mal für einen riesen Einnahmesprung gesorgt hat und was bei rauskam ist bekannt.
Zu den Fragen:
Wieso schaltet die DFL eigentlich einen Zwischenhändler ein, sie könnten die ganze Sache doch auch alleine aufziehen? Ob sie es aus rechtlicher Sicht dürften, weiß ich nicht. Gehen wir mal davon aus, sie dürften es. Dann macht es auf den ersten Blick wenig Sinn, weshalb man einen Zwischenhändler hinzuzieht. Sie müssten doch in der Lage sein, annähernde gleiche Einnahmen selbst zu generieren und hätten die Prozente, die sie an den Zwischenhändler geben, gespart.
Auf den zweiten Blick sieht es etwas anders aus. Der Zwischenhändler nimmt der DFL mit der Garantie über 500 Mio. Euro jährlich, einen Teil des unternehmerischen Risikos ab und der zukünftige Einnahmefluss in die Kassen der Bundesligavereine ist kalkulierbarer. Wenn natürlich das sportliche Abschneiden der Clubs nicht den clubinternen Planungen entspricht, ist die Kalkulation auch wieder dahin, weil die Einnahmen der einzelnen Vereine an einen Verteilungsschlüssel gekoppelt sind. Mehr dazu beim Abendblatt.
Des Weiteren ist davon auszugehen, dass die Kompetenzen für eine solche Produktion bei Sirius vorhanden sind und der DFB nicht erst noch eine Sportredaktion mit allem was da noch alles dazu gehört aufbauen muss.
Wieso ist diese Produktionsfirma überhaupt von Nöten? So wie ich die ganze Sache verstanden habe, ist die eigene Produktionsfirma von DFL und Sirius ein Hauptbestandteil, um diesen Deal überhaupt möglich zu machen. Mit der eigenen Produktionsfirma bietet die DFL die komplette Bundesliga-Berichterstattung fertig produziert an und erhofft sich damit eine größere Zahl an Bietern für die Rechte, weil der Markteintritt für andere Interessenten erleichtert wird. Ein Sender, der gerne die Bundesliga ausstrahlen möchte ist nicht mehr gezwungen jedes Wochenende mit Übertragungswagen und Reportern in jedem Stadion zu sein, sondern muss nur noch in der Lage sein, die nötige Kohle für die Rechte auf den Tisch zu legen und ab geht die Post. Ob dieser Plan aufgeht wird man sehen, auf alle Fälle gibt es schon die ersten negativen Stimmen dazu:
„Die Pflichtabnahme der produzierten Beiträge von der DFL ist eine Knebelung der Sender.“ DJV-Vorsitzende Michael Konken (Fussball24)
Damit hat er wohl Recht, aber beim Fussball kann ich mir nicht vorstellen, dass es dort große Änderungen in der Berichterstattung gibt, die immer selben Fragen und Antworten vor und nach jedem Spiel wird es sicherlich auch weiterhin geben.
Wie kommt man an eine Bürgschaft für so viel Kohle, wenn man doch vor einigen Jahren erst eine Insolvenz hinter sich hat? Sachen gibt’s, war mein erster Gedanke und ich hab auch keine Ahnung, wie das funktioniert, aber die Bild-Zeitung erklärt es uns natürlich.
„Die Bürgschaft gibt es für das Konzept von Herrn Kirch, nicht für die Person. Sie wird dann vergeben, wenn mehr Einnahmen als Ausgaben aus dem Vertrag erwartet werden.“ Finanzmarkt-Experte Prof. Wolfgang Gerke (Bild)
Wenn das so einfach ist, dann ist es ja gut! Auf jeden Fall wurde einen Tag nachdem auf der DFL Pressekonferenz verkündet wurde, dass eine 100-prozentige Bürgschaft den Deal absichert, von DFL Präsident Reinhard Rauball bestätigt, dass diese 100-prozentige Bürgschaft noch nicht vorliegt und diese erst jeweils zum 1. Januar für die folgende Saison vorliegen wird. Aber keine Angst:
„Eine Bürgschaft in dieser Höhe kostet extrem hohe Gebühren. Deshalb wäre es unsinnig, sie schon jetzt zu erbringen. Aber wir kennen das international anerkannte Finanzinstitut, das die Bürgschaft leisten soll.“ (Focus)
Und man hat sich von der:
„Seriosität des Angebots“
überzeugt. Na also, dann ich doch alles in Butter und ich werde hier jetzt nicht mit einem Schneider anfangen
Die Sportschau lassen wir hier auch weg, denn da gibt es schon eine gute Diskussion auf Dülps Bolzplatz.
Fazit:
Mein Fazit steht eigentlich schon im ersten Satz, ohne alle Hintergründe, Zahlen usw. zu kennen, kann man nur schwer sagen, ob es ein guter Deal ist oder eben nicht. Eigentlich würde hier als Fazit der berühmte Kaiser Franz Satz passen. Schönes Wochenende!


http://bolzplatz.twoday.net/stories/4356575/
[...] Freitag, 12.10.2007 Ball-Blog: Der Bundesligarechte-Deal Leo ist zurück, was das für uns bedeutet und was die Vereine jetzt kassieren könnt Ihr grad eben auf dem Ball-Blog nachlesen! [...]
Ich als Fussballer,der selber Samstags um 15 Uhr Fussball spielt,kann dem ganzen Deal nichts abgewinnen.Ich kann also die Spiele,sollte es so kommen wie allgemein vermutet,weder live sehen,noch danach um 18 Uhr in der Sportschau…Ich denke es ist ein Graus und darf einfach nicht so gehandhabt werden.Ich kann doch nicht bis um 22 Uhr warten…Kinder im Alter von 10-12 Jahren wollen auch ihren Poldi oder Schweini sehen,doch bis um ja dann fast 00:00 Uhr wach bleiben,das geht nicht und sollte in den Überlegungen von Leo Kirch und Premiere und was weiß ich wer da noch was zu sagen hat,eine gewichtige Rolle spielen.